Über Zweikämpfer

Nico, Micky, Lütti und Benni sind Fußballprofis und haben jahrelang erfolgreich in den ersten vier Ligen in Deutschland gespielt. Jetzt, mit Anfang 30, sind sie arbeitslos.

Im Trainingscamp der Spielergewerkschaft VDV in Duisburg kämpfen sie den Sommer über mit anderen vereinslosen Profis um einen neuen Verein. Ihre Hoffnung: In den wöchentlichen Freundschaftsspielen aufzufallen und mit einem Vertrag in die ihnen vertraute Welt zurückzukehren.

Als der Druck mit jeder verstreichenden Woche steigt und ihre VDV-Mannschaft schon als „FC Arbeitslos“ bezeichnet wird, drohen die Männer als Versager abgestempelt zu werden – vom Gegner, von der Presse und von den eigenen Familien.

Während die Männer sich unter der Woche im Training und bei Spielen behaupten, fahren sie am Wochenende nach Hause. Dort muss jeder für sich seinen privaten Kampf ausfechten. Nicos Eltern haben sich immer Sorgen um die berufliche Zukunft ihres Sohnes gemacht, Micky erlebt, wie die Familie seiner Freundin über seinen Kopf hinweg seine Zukunft plant und Lüttis Ehefrau lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich das Leben als Fußballerfrau anders vorgestellt hat.

Der Kampf der Männer um einen Vertrag verwandelt sich zusehends in ein verzweifeltes Ringen um Selbstvertrauen und ihre eigene Identität. Denn bei ihrer Suche nach einem Verein geht es längst nicht mehr nur um einen Job, sondern um das Selbstbild der ehemals erfolgreichen Profis – wer sind sie, wenn nicht Fußballer? 

In dem Vorschlag eines plötzlich auftauchenden Spielerberaters, sie einem Verein in Vietnam anzubieten, sehen einige ihre letzte Chance. Doch sie wissen: Ein Einsatz in Asien würde das sichere Ende ihrer Karriere in Europa bedeuten. 

 

die protagonisten

Christian "Micky" Mikolajczak

Christian "Micky" Mikolajczak

Christian Mikolajczak, geboren 1981, spielte von 1992 an in der Jugendmannschaft vom FC Schalke 04 und ab 1999 in der deutschen U18 Nationalmannschaft, mit der er an der U-18-Europameisterschaft 2000 in Irland teilnahm. Ab 2000/01 spielte er in der ersten Mannschaft des FC Schalke 04, mit der er in seinem ersten Profijahr 13 Ligaspiele bestritt, deutscher Vizemeister wurde und den DFB-Pokal gewann. Nach einer Saison bei Hannover 96 spielte er ab 2002 beim heutigen Rot Weiss Ahlen, wo er 74 Mal in der 2. Bundesliga eingesetzt wurde und sechs Tore erzielte, darunter im letzten Spiel der Saison 2004/05 beim TSV 1860 München das letzte Tor zum 4:3-Sieg, der Ahlen vor dem Abstieg bewahrte.
2005 wechselte er zu dem Ligakonkurrenten FC Erzgebirge Aue, bei dem er die Saison 2005/06 spielte und 16 Mal zum Einsatz kam. 
2007 wechselte Mikolajczak zum FSV Frankfurt. Dort unterschrieb er einen Zweijahresvertrag. Zur Saison 2009/10 kehrte er zu Rot Weiss Ahlen zurück. 

Erfolge:
DFB-Pokalsieger 2001 mit Schalke 04  
Vize-Deutschermeister 2001 mit Schalke 04
Meisterschaft der 2. Bundesliga und Aufstieg in die 1. Bundesliga 2002 mit Hannover 96
Aufstieg in die 2. Bundesliga 2008 mit dem FSV Frankfurt 

 

 

 

Benjamin "Benni" Schüßler

Benjamin "Benni" Schüßler

Benjamin Schüßler, Jahrgang 1981. Schüßlers Karriere begann in der Jugend des 1. FC Magdeburg. Er erreichte des Halbfinals um die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft 1998 und gewann den DFB-Junioren-Vereinspokal 1998/99. Bald wurde er vom DFB für die deutsche U21Nationalmannschaft entdeckt. Nach dem Scheitern der Magdeburger in der Qualifikation für die neue zweigleisige Regionalliga wurde das Nachwuchstalent im Jahr 2000 vom Bundesligisten Borussia Mönchengladbach gekauft. Nach zweieinhalb Jahren in der Oberliga-Reserve des Bundesligisten wechselte er zu Beginn der Rückrunde (Saison 02/03) zum Regionalligisten VfL Osnabrück. Dort schaffte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2003. Zur Saison 2004/05 wechselte Schüßler innerhalb der Regionalliga Nord zum SC Paderborn 07 und stieg mit dem SCP nach nur einer Saison in die 2. Liga auf. Dort überzeugte Schüßler im folgenden Jahr den neuen Trainer Jos Luhukay und schaffte mit dem Team den Klassenerhalt 2006 als bester Aufsteiger. In der Saison 2007/08 stieg er mit Paderborn ab und wechselte zum Zweitligaaufsteiger Rot-Weiß Oberhausen. 
2010 wechselte Benjamin Schüßler zum Drittligisten Holstein Kiel. Nach nur vier Einsätzen in der 3. Liga riss er sich das Kreuzband. Den Abstieg der Kieler konnte er somit nicht mehr verhindern, gehörte aber bis zum Ende der Regionalligasaison 2010/11 weiterhin zum Kader der Störche. 

Erfolge:
Aufstieg in die 2. Bundesliga mit dem VFL Osnabrück
Aufstieg in die 2. Bundesliga mit dem SC Paderborn

 

Nico Frommer

Nico Frommer

Nico Frommer, Jahrgang 1978, begann seine Profilaufbahn in seiner Heimatstadt Ulm. Er wechselte zum VfB Stuttgart und spielte acht Bundesligaspiele.1999 wechselte er in die 2. Liga zu Borussia Mönchengladbach und anschließend zum SSV Reutlingen 05. Insgesamt schoss Frommer in 80 Zweitligaspielen 34 Tore. Im Sommer 2003 wechselte er zum damaligen Bundesligaaufsteiger Eintracht Frankfurt. In der Winterpause der Saison 2006/07 wurde er vom VfL Osnabrück verpflichtet und kam 2009 zum RB Leipzig, wo er bis 2011 spielte.

Erfolge:
Aufstieg mit Eintracht Frankfurt in die erste Bundesliga
Aufstieg mit dem VFL Osnabrück in die zweite Bundesliga

 

Julian "Lütti" Lüttmann mit Tim Hofmann und Benjamin Schüßler

Julian "Lütti" Lüttmann mit Tim Hofmann und Benjamin Schüßler

Julian Lüttmann, geboren 1982. Lüttmanns fußballerische Karriere begann beim SC Hörstel, einem kleinen, 1921 gegründeten Verein aus Hörstel. Im Jahr 1996 wechselte er in die Jugendabteilung von Preußen Münster, wo er bis 2003 blieb.
Anschließend spielte Lüttmann ein Jahr bei Holstein Kiel. Im Jahr 2004 wechselte er zum Oberligisten FC Eintracht Rheine. Wiederum ein Jahr später erfolgte der Wechsel zu den Sport- freunden Lotte. Hier wurde er in seiner zweiten Saison, 2006/07, Torschützenkönig in der Oberliga Westfalen. Zu Beginn der neuen Saison wurde Lüttmann von Rot-Weiß Oberhausen verpflichtet. Nach dem Aufstieg mit RWO aus der Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga im Jahr 2008 gab Lüttmann sein Debüt in der 2. Liga. 2009 schloss er sich dem Drittligisten SV Sandhausen an. 2010 wechselte Lüttmann zum Ligakonkurrenten Rot-Weiß Erfurt. Dort spielte er bis zum Ende der Saison 2010/11.

Erfolge:
Aufstieg mit Rot-Weiß Oberhausen in die zweite Bundesliga

 

 

Cheftrainer Christian Wück in der Kabine mit den VDV Spielern

Cheftrainer Christian Wück in der Kabine mit den VDV Spielern

Hintergrund zum Film

Jenseits jedes Klischees ist ZWEIKÄMPFER die Geschichte von vier Männern Anfang Dreißig, die noch nicht bereit sind, ihren Traum aufzugeben. Tag für Tag gehen sie an ihre Grenzen, um sich, ihren Familien und der Fußballwelt zu beweisen, dass sie ihre Zukunft noch vor sich haben.

 

Regisseur Mehdi Benhadj-Djilali beim Dreh

Regisseur Mehdi Benhadj-Djilali beim Dreh

Mehdi Benhadj-Djilali übernahm neben Regie auch Kamera und Ton, um ganz nah an seine Protagonisten heranzukommen. Es ist der erste Langzeit-Dokumentarfilm des Regisseurs, viereinhalb Jahre begleitete er die Fußballprofis auf ihrem Weg. Für den Schnitt verantwortlich ist Anja Siemens (OH BOY, Vier Könige), die eindringliche Musik komponierte Bernd Schurer (Staub auf unseren Herzen, Coming of Age).

 

 

Warten in Vietnam: Marco Kück, Benjamin Schüßler, Christian Mikolajczak und Moses Sichone

Warten in Vietnam: Marco Kück, Benjamin Schüßler, Christian Mikolajczak und Moses Sichone

Statement des Regisseurs

"Fußballer sind die Helden der Jetztzeit. Fußballprofis sind erfolgreich, sie haben Geld, schöne Frauen und werden als Superstars gefeiert – so das gängige Klischee.

Schon deshalb war ich fasziniert, als ich vor einigen Jahren in der Zeitung über ein Trainingscamp für vertragslose Profis las. „Arbeitslose Fußballprofis“ – das klingt falsch, absurd, wie ein schlechter Witz. Das Problem vertragsloser Fußballer hatte ich bisher höchstens als Einzelschicksal wahrgenommen, jetzt ließ es mich nicht mehr los.

ZWEIKÄMPFER taucht ein in diese Welt von gebrochenen Helden, die aufstehen und um ihren Sieg kämpfen."

Mehdi Benhadj-Djilali